Sexualität und Erotik sind so alt wie die Menschheit, ja geradezu ein Grundprinzip, ohne das überhaupt kein menschliches Leben entstehen könnte. Aus diesem Grund ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Prostitution bereits sehr alt ist, sie zählt mit zu den ältesten Berufen der Menschheit. Bereits in der Antike gab es Bordelle und Frauen, die sich gegen Geld hingaben oder auch Tempeldienerinnen, die mit der körperlichen Lust den Göttern huldigten. Durch die Jahrhunderte hinweg gab es immer Etablissements in denen sich Frauen gegen Geld anboten oder sie taten dies einfach auf der Straße.
Auch fürstliche Herren und Könige umgaben sich mit Frauen, die ihnen ganz besondere erotische Genüsse bereiteten, diese Konkubinen, Mätressen oder auch Haremsfrauen konnten mitunter einen großen Einfluss auf ihren Herrn erhalten und somit auch die Staatsgeschäfte lenken, Madam de Pompadour (1721- 1764) und Anne Boleyn (1507 – 1536), die zweite Frau vom englischen König Henry VIII. sollen hier als Beispiele genügen.
Auch die Stadt Berlin ist wie jede andere große Stadt nicht frei von Sünde, gemeint sind bestimmte stadtbekannte Ecken, Plätze und Viertel, in denen man käufliche Frauen oder eine schnelle Nummer finden kann. Neben bekannten Berliner Straßenstrichs wie dem auf der Kurfürstenstraße, Ecke Potsdamer Straße oder dem auf der Oranienburger Straße gibt es in Berlin auch zahlreiche Bordelle und ein großes Laufhaus in Gesundbrunnen.
Im Jahr 1806 nahmen die Franzosen Berlin ein. Mit dem Einzug Napoléon Bonapartes durch das Brandenburger Tor kamen auch viele französische Soldaten in die Stadt, die den jungen Mädchen und Prostituierten nachstellten. Die französische Besatzung dauerte bis Dezember 1808. Aus dieser Zeit stammt auch der umgangssprachliche Begriff „Fisimatenten“ mit der Bedeutung Unsinn, Faxen oder Blödsinn, also im weitesten Sinne alle Handlungen, die Probleme verursachen können. Eine Erklärung für die Wortherkunft sind beispielsweise die Bemühungen der französischen Soldaten, die die deutschen Mädchen versuchten in ihr Lager zu locken mit der Einladung „Visitez ma tente“ zu Deutsch „besuchen Sie mein Zelt“. Dem entsprechend gaben ängstliche Mütter ihren Töchtern beim abendlichen Ausgang mit auf den Weg, dass sie keine „Fisi ma tenten“ machen sollten.
Als zu Beginn des 19. Jahrhunderts im Zuge des wirtschaftlichen Wachstums und der Industrialisierung immer mehr Menschen in die Stadt zogen, entstanden nicht nur erste Mietkasernen und Arbeiterviertel in Berlin, auch verschiedene Bordelle öffneten und boten käufliche Lust an. Viele Frauen boten sich auch auf der Straße als Prostituierte an, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, da der wirtschaftliche Aufschwung nicht für alle lukrativ war. Frauen konnten oft nur Tätigkeiten ausführen, die mäßig bezahlt wurden. Daher arbeiteten viele Dienstmädchen, Modistinnen, Blumenfrauen und Wäscherinnen auch als Gelegenheitsprostituierte. Auch veränderte sich die politische und moralische Wahrnehmung der Prostitution im 19. Jahrhundert. Gesetze zur Regulierung der Prostitution wurden erlassen, um eine gesundheitliche Kontrolle zu erwirken. So kam es zu einer Doppelmoral, die Prostituierte ächtete, ihr Dasein aber als für Männer erwünschtes Erprobungsfeld hinnahm.
Diese Doppelmoral und die amtliche Willkür gegenüber den Prostituierten und die ansteigende Prostituierten-Kriminalität führten zu ersten Protesten und das nicht nur bei den beginnenden Emanzipationsbewegungen.
Sexualität und Erotik spielten von Anfang an eine wichtige Rolle in der Geschichte des Films. Auf den Jahrmärkten wurden nicht nur unterhaltsame Filme gezeigt, sondern auch heimlich die seit 1896 produzierten sogenannten „Stag Films“, etwa fünf- bis zehnminütige Streifen, die oft Striptease und wenn auch selten den Geschlechtsakt zeigten. 1899 eröffnete der Schauspieler Otto Pritzkow in Berlin das erste Kino, das den Namen „Abnormitäten- und Biograph-Theater“ trug. Vor allem die Masse der Arbeiter und Bürger zog es damals in die neu entstehenden Lichtspieltheater, da ihnen der Theaterbesuch untersagt war. Dort bekamen sie auch erotische Filme zu sehen und auch, wenn es noch etwas dauerte, bis die ersten richtigen Sexkinos in Berlin öffneten, kann man diese als ihre Vorreiter betrachten.
In den golden Zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts war Berlin mit 3,8 Millionen Einwohnern die größte Stadt Deutschlands und die größte Industriestadt des Kontinents. Sie entwickelt sich zu einer legendären Kulturmetropole, in der Künstler wie Otto Dix, Lionel Feininger, Bertolt Brecht und Arnold Zweig wirken. Als Ende der 1920er Jahre die Weltwirtschaftskrise auch Berlin erfasste, gab es nicht nur 664 Konkurse in der Stadt, die Armut war auch allgegenwärtig mit über 450.000 Arbeitslosen. Es kam zu Demonstrationen und gewalttätigen Unruhen. Der „Blutmai“ 1929 kostete über 30 Menschen das Leben und es gab mehrere hundert Verletzte. Dies war auch eine sehr schwere Zeit für die Prostituierten.
Während des Zweiten Weltkrieges wurden von der Wehrmacht und der SS sogenannte Wehrmachtsbordelle eingerichtet. Die dort arbeitende Frauen, die sich bei dieser Form der Zwangsarbeit mit Geschlechtskrankheiten angesteckten, wurden in Vernichtungslager gebracht oder exekutiert. Auch in den Konzentrationslagern gab es Lagerbordelle.
In der DDR bediente sich das Ministerium für Staatssicherheit der Prostitution, um Informationen über den „Klassenfeind“ zu erhalten, obwohl diese seit 1968 offiziell unter Strafe stand. Diese „Frauenspezifische Verwendung“ wurde mit Schulungen unterstützt. Haupteinsatzorte der staatlichen Prostituierten waren die Intershops und die verschiedenen Devisenhotels. In Berlin waren verschiedene Orte dafür bekannt, dass sich Prostituierte dort anboten. Dazu zählten das Hotel Metropol, das Palasthotel und das Hotel Stadt Berlin sowie die Bars Yucca-Bar und Alibi-Bar. Die Gelegenheitsprostitution erfolgte über Kontakte und zufällig, Freier gab es in der Regel nicht in der DDR. Man schätzt, dass es in der DDR ungefähr 3.000 Prostituierte gab, also deutlich weniger als in der BRD.
Die Autorin Uta Falke fasst die Umstände der Prostitution in der DDR wie folgt zusammen: „Von der Prostitution haben in der DDR alle Beteiligten profitiert: die reichen Frauen, die zufriedenen Freier, der informierte Staat. So viel Zufriedenheit wird es in diesem Gewerbe wohl kaum jemals mehr geben.“ Da im Zuge der sexuellen Revolution in den 60er Jahren das Angebot an kostenlosem und unverbindlichem Sex deutlich wuchs, ging die Zahl der Prostituierten deutlich zurück, auch ein hoher Preisverfall war die Folge.







